Sizilien – ein paar Wochen Süden, wenn bei uns der Nebel kommt
Wer pensioniert ist, hat etwas, das Berufstätigen fehlt: Zeit. Und die lässt sich im November, Januar oder März kaum besser einsetzen als auf Sizilien. Während Mitteleuropa im Hochnebel liegt, hat die Insel über 300 Sonnentage im Jahr, milde Winter und einen Frühling, der schon im Februar beginnt. Mein Vorschlag: nicht eine Woche, sondern drei oder vier – dann wird aus Ferien ein Stück Alltag unter Palmen.
Und ja: Sizilien ist auch mein eigenes nächstes Projekt. Ich war noch nicht dort – die ausführliche Planung mit Route, Fähre und Unterkünften steht auf der neuen Sizilien-Seite, und sobald ich zurück bin, kommen die eigenen Erfahrungen dazu.
Sizilien ist mehr als Strand: der Ätna, dessen Gipfel im Winter weiss ist, griechische Tempel in Agrigent und Segesta, Syrakus mit der Altstadtinsel Ortigia, Taormina über dem Meer, Cefalù mit dem Dom am Strand, Barockstädte wie Noto und Ragusa – mehrere davon UNESCO-Welterbe. Und die Küche: Pasta alla Norma, Arancini, Cannoli, Fisch vom Markt, Wein vom Ätna. Mediterran, frisch, und die Menüs kosten die Hälfte von dem, was wir zu Hause bezahlen.
Der Ätna mit Schneehaube über Taormina – im Winter kann man morgens Ski fahren und nachmittags am Meer sitzen.Taormina, Piazza IX Aprile – der Balkon Siziliens, mit Blick auf den Ätna und die Küste.Scala dei Turchi bei Agrigent – weisse Mergelklippen, die wie eine Treppe ins Meer fallen.Der dorische Tempel von Segesta – 2'400 Jahre alt, allein in den Hügeln, nie fertiggebaut.Tal der Tempel in Agrigent: der Juno-Tempel auf der Anhöhe – UNESCO-Welterbe.Noto – Barock in Honigfarbe, nach dem Erdbeben von 1693 komplett neu gebaut.Marzamemi an der Südostküste – abends füllt sich die Piazza vor der alten Thunfisch-Fabrik.Mondello, der Stadtstrand von Palermo – im Oktober noch Badewetter.
Warum sich ein längerer Aufenthalt lohnt
Klima – Im Winter tagsüber 15 bis 18 Grad, viel Sonne, kaum Regen an der Südküste. Wandern, Velofahren und Golf gehen das ganze Jahr.
Kosten – Ferienwohnungen, Restaurants, Lebensmittel und Kaffee sind deutlich günstiger als in der Schweiz. Ausserhalb der Saison bekommt man Wohnungen mit Meerblick für Monatspreise, die bei uns für eine Woche reichen.
Menschen – Die Sizilianer sind herzlich und neugierig. Wer ein paar Wochen im gleichen Ort bleibt, grüsst bald den Bäcker beim Vornamen.
Tempo – Abseits von Palermo und Catania läuft der Alltag langsam: Markt am Morgen, Espresso an der Piazza, Spaziergang am Meer, Abendessen um neun.
Anreise – Direktflüge Zürich–Catania und Zürich–Palermo (Edelweiss, SWISS, easyJet) oder mit dem eigenen Auto: Fähre Genua–Palermo über Nacht, rund 20 Stunden – ideal, wenn man länger bleibt und das Velo oder das Motorrad mitnehmen will.
Mein Tipp für den Standort: die Ostküste zwischen Taormina und Syrakus, wenn man Kultur und Ätna will; Cefalù oder die Gegend um Trapani für Ruhe und Strand. Zwei Standorte à zwei Wochen, dazwischen ein Umzug mit dem Mietwagen – so sieht man die ganze Insel, ohne jeden Tag die Koffer zu packen. Wer sich am Ende gar nicht mehr lösen will: Italien lockt ausländische Pensionierte, die in kleine Gemeinden im Süden ziehen, mit einer tiefen Pauschalsteuer – aber das ist ein Thema für sich.